Nicht Yogi genug? Wie man dem Teufelskreis der eigenen Gedanken entkommen kann.

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Ich habe mich gefreut wie bolle. Am vergangenen Samstag lud Lululemon athletica in Köln unter dem Titel „om the Mat“ zum gemeinsamen Yoga auf dem Neptunplatz ein. Auf dem Plan stand nicht nur ein 1,5 Stündiger Vinyasa Flow, sondern auch eine Achterbahn der Gefühle für mich.

Voller Vorfreude packte ich Mann und Kind ins Auto, ich fühlte mich super! Der Morgen startete zu Hause mit einem super leckeren und gesunden Frühstück mit laut aufgedrehter, extrem tanzbarer Musik. Zu den Klängen von Boney M´s  „Daddy cool“ schmiss ich mich in mein Yogaoutfit, bestehend aus einer schwarzen Leggins und einem vor einigen Wochen neu gekauften T Shirt, auf das ich mich schon so lange gefreut habe. Beim Kauf saß es am Bauch und an den Hüften noch etwas spack, aber mir war damals schon klar, dass die letzten, hartnäckigen Schwangerschaftspfunde auch bald dahin geschmolzen sind.

Das Programm sah wie folgt aus: 15.00 – 15.30 Welcome, 16.00 – 17.30 Yoga Flow, 17.30 – 18.00 Uhr get together. Wer mich kennt, weiß dass ich immer pünktlich bin, selbst mit Baby bin ich zu 99% pünktlich. Ich finde nicht nur das es etwas mit Respekt zu tun hat, sondern jemand denkt sich ja auch was dabei die Uhrzeiten so festzulegen (meistens zumindest).

Hier wurde ich eines besseren belehrt, ok, ….. mit einem nicht so durchlöcherten Stillgehirn, hätte ich es mir auch denken können, dass es völlig ausreicht erst um 16.00 Uhr auf der Matte zu sitzen. Mein Mann sagt da auch immer, dass ich in dem Punkt einfach zu deutsch bin, aber ich habe mich um 14:45 ganz brav gemeldet, meine Anmeldung vorgezeigt, Stempel abgeholt, Mann und Kind einen dicken Schmatzer gegeben, und mir eine Matte gesucht.

Da saß ich nun,………. in einem Meer aus Yogis,….. und schnell fingen meine Gedanken an mir Streiche zu spielen,…. Was macht man sonst, wenn man nun dort sitzt außer sich Gedanken? Das erste Mal seit langer, langer Zeit saß ich wieder unter Menschen ohne Babys auf dem Schoß, ich hörte nicht vor und hinter mir Gespräche über den Inhalt der vergangenen Windel, viel schlimmer, ich hörte von den „tollen“ Leben der anderen.

Und da fing der Teufelskreis der Gedanken für mich an,……. da saß ich, mit meiner schwarzen Baumwollleggins,…. um mich herum stolzierten gut trainierte, perfekt geschminkte, in bunt bedruckter, sündhaft teurer Multifunktionskleidung, die mega entspannten Yogis.

Ein kurzer Blick an mir herunter lies meine gute Laune extrem schnell verpuffen. Ich fühlte mich fett und hässlich,…… das T Shirt saß plötzlich doch nicht so perfekt wie ich es mir gewünscht hatte, und von Make up sogut wie keine Spur, wenn man die früh morgens aufgetragene Wimperntusche überhaupt Make up nennen kann. Meine letzte Pediküre ist auch schon knapp drei Monate her. Jedoch kann ich mich mit den rot lackierten Fußnägeln ein wenig ins Gesamtbild einreihen. Und hey, ich habe es heute Morgen zumindest unter die Dusche geschafft,…. mit Haare waschen! Prioritäten verschieben sich manchmal halt, das macht aus mir aber nicht einen schlechteren Yogi, nur weil ich keine Paschmina Yogasocken mit Gumminoppen trage.

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Dem Himmel sei Dank hatte ich mein Handy dabei, sonst hätte ich, glaube ich den Rückzug angetreten oder mich unter dem nächsten größeren Stein verkrochen. In diesen Momenten liebe ich es einfach, meine eigene kleine Familie zu haben, per Whats up bekam ich von meinem Mann genau den Rückhalt den ich in dem Moment brauchte,… und was soll ich sagen, keine 10 Minuten nach meinem `Was mache ich hier eigentlich, ich bin nicht wie diese perfekten Menschen, durch die Schwangerschaft bin ich immer noch dick und kann bestimmt nicht alle Übungen mitmachen, ich werde mich hier bestimmt zum totalen Horst machen` gejammere schaue ich in die bezaubernden Augen meines knapp 6 Monate alten, und mehr als nur wunderbaren Babys.

 

Mental wieder auf die Höhe gebracht, dröhnte eine Stimme aus den aufgestellten Boxen. Erneut gab ich meinen Lieben einen Kuss und ging mit stolz gestählter Brust zurück zu meiner Matte. Denn all die vergangenen körperlichen Strapazen (plus 17 Kilo in der Schwangerschaft, 5 davon halten sich bis heute noch hartnäckig) sind es wert ein so tolles Wesen in den Armen zu halten. Und was sind denn schon Äußerlichkeiten? Das Innere ist das einzige was zählt, dies wurde mich dann auch schlagartig wieder klar. Ich muss nicht zwingend ins Bild eines perfekten Yogis passen und alle Klisches erfüllen, das habe ich, rückblickend auf mein Leben eh noch nie wirklich. Man muss seinen eigenen Weg finden und Ihn auch gehen! Was manchmal gar nicht so einfach ist, vor allem nicht mit so vielen Hormonen die einen manchmal ganz schön aus der Bahn werfen können.

Der Vinyasa Flow war sehr anstrengend, nicht nur für mich, sondern für alle Beteiligten. Mein extrem schwitzender Mattennachbar fragte mich ob ich bei den Twisterähnlichen Verrenkungen noch durchblicken würde, welcher Fuß wann wohin muss. Und ich muss sagen JA! Ich war voll in meinem Element! Ich habe komplett abschalten können und war voll bei mir, es war mir völlig egal, dass mein geiles Baumwoll T Shirt ein wenig meinen kleinen Bauch zum vorscheinen gebracht hat, auch dass ich außer meiner Mala nicht als der klassische Yogi von außen zu erkennen war, dafür habe ich aber mit meiner Praxis so einige gestylte, nach leckerem Parfüm duftende Damen mit Ihren mega teuren Yogaoutfits derbe nass gemacht.

Nach wirklich tollen 1,5 Stunden vollen Körpereinsatz war ich auch mental wieder voll bei mir und hätte mir am liebsten auf die Schulter geklopft. Das ins Gesicht getackerte Lächeln hielt auch noch das ganze Wochenende :)

 

Kurz um ich freue mich sehr auf das Wanderlust Festival am 11.09.16 in Köln und ich glaube ich bin durch diese Erfahrung am vergangenen Samstag wieder in meiner alten Form angekommen.

 

So, an diesem Bericht sitze ich nun schon seit fast 5 Stunden, immer unterbrochen durch die Stimmen meiner Lieben, aber was soll ich sagen, ich kuschel mich gleich (jetzt ist es schon Montagmorgen 0:30) ins Bett zu meinen beiden Lieblingsmenschen, auf die ich immer zählen kann 😀 Einfach unbezahlbar!

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